Die Initiative Grundeinkommen Potsdam verfolgt das Ziel, in der Stadt, wo Toleranz Tradition hat, dem Bedingungslosen Grundeinkommen einen Schritt näher zu kommen. Wir wollen praktische Erfahrungen sammeln, für die Einführung des BGE auf nationaler und internationaler Ebene. Bekanntlich lernt der Mensch am nachhaltigsten durch Versuch und Fehler. Wer eine positive Einstellung zum BGE hat und uns auf diesem Weg begleiten will, sollte hier ab und zu mal reinschauen!

Montag, 18. August 2014

Bilder befördern Erinnerung...

...und wecken dabei mehr oder weniger starke Emotionen. Bildbetrachtung passiert nämlich zumeist ohne Verstand. Weil Information und Kommunikation heute hauptsächlich über Bilder abläuft, ist die Gefahr, dadurch manipuliert zu werden, riesengroß. Darum ist eine bewußte und kritische Bildwahrnehmung ungeheuer wichtig. Hier einige Beispiele zur Selbsterprobung.

Foto: paradisi.de
Foto: Familienhandbuch.de
Foto: papilio.de
Foto: Kino.de
Was bewirken diese Bilder eigentlich?

Sonntag, 17. August 2014

EHEC - was war das doch gleich?

Matthias Wolfschmidt, Leiter Strategie und Kampagnen bei foodwatch, ruft das Thema nochmal in Erinnerung:

"Erinnern Sie sich an die EHEC-Krise? 53 Menschen starben im Frühsommer 2011. Fast 4.000 erkrankten daran und bei 855 kam es zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Hunderte leiden heute noch an chronischen, unheilbaren Folgen. Dass hinter diesen Zahlen menschliche Schicksale stehen, ist eine Binsenweisheit. Aber jedes Gespräch, das ich mit Betroffenen führte, hat mir die katastrophalen menschlichen Folgen der EHEC-Krise 2011 bewusst gemacht.

Seit EHEC lassen mich zwei Fragen nicht los: Haben Politik und Behörden alles unternommen, um diese fast 4.000 persönlichen Katastrophen zu verhindern? Die Antwort lautet: Nein! Kann sich derartiges Leid wiederholen, weil Politik und Behörden nicht die richtigen Lehren aus der EHEC-Krise gezogen haben? Die Antwort lautet: Ja!"

Warum sind wir uns da so sicher?
Erstens: Entstehen und Ausmaß des EHEC-Ausbruchs vom Frühsommer 2011 wurde durch polititsches Versagen begünstigt. Unzureichende Vorgaben für Sprossenerzeuger und nachlässige behördliche Überwachung erlaubten erhebliche Mängel in der Betriebshygiene. Das deutsche Meldewesen für Infektionskrankheiten war völlig veraltet, lebenswichtige Informationen kamen erst mit wochenlanger Verspätung an. Auch die rechtlich vorgeschriebene lückenlose Rückverfolgbarkeit jedes Lebensmittels über die gesamte Lieferkette hinweg funktionierte nicht.

All diese Mängel führten dazu, dass bis zur ersten Entdeckung möglicher Quellen Wochen vergangen sind. Wochen, in denen sich die meisten Opfer überhaupt erst infiziert hatten! Das heißt im Umkehrschluss: Ohne diese Mängel hätten deutlich bessere Chancen bestanden, Menschen vor Schäden und Leiden zu bewahren.

Selbst die Europäische Kommission kritisierte das Vorgehen Deutschlands bei der Bewältigung der Krise mehr als deutlich. Sie spricht von „unangemessenen Reaktions- oder Kommunikationsstrategien“ in Deutschland. 

Zweitens: Die Bundesregierung behauptet, die Krise sei erfolgreich bewältigt und die Ursache identifiziert: Ein kleiner niedersächsischer Gartenbaubetrieb und Sprossenhersteller habe mit dem Keim belastete Sprossensamen aus Ägypten importiert und stehe als Quelle der Infektionen fest. Es sei eine Gesamtliste aller Erkrankungen und ihrer Verbindungen zu dem Sprossenbetrieb aus Niedersachsen erstellt worden. Komisch nur: Diese Liste wurde nie veröffentlicht.

Deshalb stellte foodwatch im Mai 2012 einen Antrag auf Akteneinsicht. Schließlich stellte sich heraus: Eine alle 3.842 Erkrankungsfälle erfassende "Gesamtliste" hat es nie gegeben. Die erstellte Auflistung kann nur maximal 500 Ausbruchsfälle erklären. Bis heute ist also völlig unklar, wie viele der Erkrankungen tatsächlich mit dem niedersächsischen Sprossenhersteller in Verbindung gebracht werden können. Rund 3.300 - also fast 90 Prozent! - der Erkrankungsfälle sind ungeklärt!

Die Regierungen von Bund und Ländern haben sich entschieden, den EHEC Fall zu den Akten zu legen. Egal wie viele Fragen offen bleiben. Wehren Sie sich gemeinsam mit uns gegen diese unerträgliche Missachtung von Menschenleben und gegen diese Arroganz. 

Drittens: Mit ihrer Behauptung, die EHEC-Krise von 2011 sei aufgeklärt, täuscht die Bundesregierung die Öffentlichkeit und wiegt uns in falscher Sicherheit! Die Behauptung, der EHEC-Erreger sei aus Ägypten eingeschleust worden, ist lediglich Spekulation. Statt aus der Krise konsequent Lehren zu ziehen und Mängel zu beseitigen, bestehen erkennbare Schwächen und vermeidbare Risiken fort! Zum Beispiel sind die Vorgaben für die Überwachung von Erzeugern, die mit hygienisch hochsensiblen Lebensmitteln handeln, unverändert lax und fahrlässig.

Die Schlussfolgerungen aus der EHEC-Krise sind alarmierend: Der Staat versagt beim Schutz seiner Bürger und zieht daraus noch nicht einmal die angemessenen Lehren! EHEC kann sich jederzeit wiederholen. Der Keim ist schließlich nicht eliminiert - er befindet sich nach wie vor in der Umwelt! Liebe foodwatch Interessierte, wir dürfen nicht akzeptieren, dass der Staat die Bürger nicht so schützt, wie er es könnte und müsste. In einer Demokratie müssen wir uns wehren, wenn die Grundrechte ausgehöhlt werden. Tun Sie das, indem Sie uns helfen! Je mehr wir sind, desto stärker sind wir! Werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Wir konnten die Lügen der Bundesregierung und die Vertuschungsmanöver der Behörden nur aufdecken, weil wir über die EHEC-Krise 13 Monate lang recherchiert, Akteneinsicht beantragt und große Mengen von Daten akribisch analysiert haben. Wir wollen auch in Zukunft für Ihre Rechte eintreten. Ohne finanzielle Unterstützung ist dies aber nicht möglich. Deshalb bitte ich Sie: Unterstützen Sie uns mit 5, 10 oder 20 Euro monatlich und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch!

Vielen Dank und herzliche Grüße,
Ihr Matthias Wolfschmidt"

BGE-Potsdam unterstützt die Bitte von foodwatch!

Dienstag, 12. August 2014

"Pfeifen verboten"

"Whistleblower, die als Beamte oder Angestellte beim deutschen Staat arbeiten, genießen kaum rechtlichen Schutz. Ein Gutachten kommt deshalb zu einem bitteren Schluss: Es ist besser, den Mund zu halten."
Heribert Prantl kommentiert in der Süddeutschen Zeitung
Edward Snowden: "Demokratie in höchster Gefahr!"           Foto: Ueslei Marcelino/Reuters
Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig!

Sonntag, 3. August 2014

"Formel Frechheit"

"Geld stinkt nicht, heißt es. Doch das stimmt nicht: Die 100 Millionen, mit denen sich Ecclestone vom Strafgericht freikaufen kann, riechen. So sehr, dass die Beteiligten an diesem Deal rot werden müssten,"
 kommentiert Heribert Prantl den Ecclestone-Prozess.

"Das Gericht verwandelt sich in eine juristische Waschanlage."

Ein Rechtspflechter im besten Sinne.

Das Land braucht mehr Prantls statt solche Kuhhandel.

Samstag, 2. August 2014

Zurück in die Wirklichkeit...

aus: SZ-Magazin           Illustration: Dirk
 ...mit dieser kleinen Geschichte von Axel Hacke

"Gestern im Drogeriemarkt: Wussten Sie, dass Hakle Feucht-Toilettenpapier neuerdings Cottonelle heißt? Den Drogeriemarktbesucher erinnert das an den Ruf, der ihm, schon auf dem Weg zum Einkaufen, im Hausflur hinterherhallte: »Und bring Spüli mit!« Dabei gibt es Spüli schon lange nicht mehr, es wurde irgendwann durch Fairy ersetzt, bis Fairy plötzlich Dawn hieß, was sich aber nicht durchsetzen konnte, weshalb Dawn heute wieder Fairy heißt, jedenfalls im Drogeriemarkt.

Nicht in meinem Kopf.

Denn es ist Wahnsinn, einen so wunderbaren Produktnamen wie Spüli durch irgendwas zu ersetzen! Erklärt werden kann es nur durch die Globalisierung: Der Drogeriemarktbesucher soll, wenn es ihn plötzlich (womit man in diesen Zeiten stündlich rechnen muss) in den angloamerikanischen Raum verschlägt, nicht zwischen Regalen umherirren und nach Spüli suchen, sondern blind zu Fairy greifen. Oder eben zu Dawn. Beziehungsweise jetzt wieder zu Fairy. Das erklärt, warum der Raumerfrischer Brise (ein fast so guter Name wie Spüli) seit einer Weile Glade heißt.
Glade heißt Lichtung. 
Brise hieß Brise.

Die größte Umtaufe dieser Art fand statt, als der Schokoriegel Raider in Twix umbenannt wurde, was schiefgegangen wäre, hätte nicht die zuständige Werbeagentur den genialen Slogan »Aus Raider wird Twix – sonst ändert sich nix« erfunden. Auch die Umbenennung der DDR in Neue Bundesländer darf als Erfolg gelten. Hingegen sind die Wahlerfolge der SED kleiner geworden, seit sie Die Linke heißt; das liegt aber daran, dass die Partei nicht mehr so viel Einfluss auf die Gestaltung der Wahlergebnisse hat.

Der Arizona Capitol Times war zu entnehmen, ein Republikaner namens Scott Fistler habe nach mehreren Wahlniederlagen nicht nur die Partei gewechselt, sondern sich auch umtaufen lassen: Er ist nun Demokrat und trägt den Namen César Chávez, der ihm allerdings nicht selbst eingefallen ist: César Chávez war Gründer der Landarbeitergewerkschaft United Farm Workers und ein bekannter Bürgerrechtler; der César Chávez Day am 31. März ist Feiertag in mehreren US-Staaten. Fistler/Chávez hat das nicht geholfen, er scheiterte mit seiner Kandidatur für den amerikanischen Kongress schon früh. Man hört seitdem wenig von ihm, ein Umstand, der den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner davon abgebracht haben soll, sich in Zukunft Hans-Dietrich Genscher zu nennen.

Weiter aktuell hingegen: Der Vorschlag der Düsseldorfer FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die übrigens unter ihrem Geburtsnamen Marie-Agnes Jahn nicht halb so bekannt war wie jetzt, der FDP als Ganzes einen neuen Namen zu geben. Was keine schlechte Idee ist, denn erstens hieß die FDP von 1968 bis 2001 (das waren ihre besten Jahre) ja schon einmal anders, nicht FDP, sondern F.D.P., und zweitens gibt es in Österreich eine liberale Partei mit einem neuen Namen, die Neos nämlich, die bei den Wahlen 2013 fünf Prozent erreichten, praktisch aus dem Nichts heraus, ein Ort, der unserer FDP gut vertraut ist. Wobei Neos in Deutschland kein guter Name wäre, es erinnert zu sehr an den Neo-Liberalismus, der kein gutes Image hat. Vielleicht wäre Die Partei, die früher FPD hieß gut, es gibt ja den Sänger Prince, der sieben Jahre lang The Artist Formerly Known As Prince genannt wurde, bevor er zu Prince zurückkehrte.

Aber ein neuer Name sollte das geringste Problem sein, so viele haben vorgemacht, wie man mit einem anderen Namen Erfolg haben kann: Heinz-Georg Kramm, Robert Allen Zimmerman, Truman Streckfus Persons und Christina Giannakopoulos kennt keiner, Heino, Bob Dylan, Truman Capote und Dolly Dollar aber kennen viele.

Man braucht nur eine Idee und Mut, wie es uns das Land Italien gerade vormacht, das bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft als Costa Rica anzutreten gedenkt."