...die Welt in zwei Seiten teilten: Da gab
es auf der einen Seite die Natur, die Wildnis, das Böse - und auf der
anderen Seite die Zivilisation, die geordnete Welt, das Gute. Indem ich
den Baseballschläger weggeworfen hatte, hatte ich mich - ohne dass es
mir bewusst war - für das Wilde, für die ungezähmte Natur entschieden.
Von nun an verbrachte ich jede freie Minute im Wald, in der freien
Natur."
Wie kommuniziert die Natur?
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| Dr. Wolf-Dieter Storl - Kulturanthropologe und Ethnobotaniker |
Storl: "In den Schulen wird uns eingedrillt, nur nach der objektiven Außenwelt zu
schauen. Alles muss wägbar, messbar, analysierbar sein. Das ist ein
Kult. Aber es gibt auch eine andere Art der Wahrnehmung. Die kann man
als innerliche Resonanz mit der Umwelt bezeichnen. Dies erlangt man,
indem man sich seines Inneren bewusst wird. Dann sieht man die Welt mit
dem Spiegel der Seele, nicht nur mit den äußeren Augen. Die Seele des
Menschen kommuniziert dann mit der Seele der Natur.
“Mit der Pflanze sein” oder “Mit dem Tier sein”; dazu bedarf es schon
Geduld. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Konsumgesellschaft von dem
Frust des verlorenen Kontaktes zur Natur lebt. Wenn man nicht befriedigt
ist, dann greift man zur Ersatzbefriedigung. Neue Klamotten, ein neues
Auto. Das sich Finden in einem sprechenden und göttlichen Universum
bringt Seelenheil. So geht man beispielsweise eine Straße entlang und
sieht zwischen zwei Gehwegplatten einen Storchenschnabel hervorwachsen.
Man riecht daran, stellt sich vor wie eine Ameise den Samen in die Ritze
transportiert hat, und erinnert sich an alte Geschichten. Daran, dass
der Geruch Depressionen lindert oder man erinnert sich an Adebar, den
Storch. Schon geht man durch eine ganz interessante und beseelte
Landschaft und rennt an den vielen Schaufenstern glatt vorbei. Pflanzen
können dabei helfen uns mit der Heiligkeit des Seins zu verbinden. Aber
wenn Mafiastrukturen einen Pflanzenmarkt beherrschen und Leute mit
Knarren rumrennen, zudem der Staat Katz und Maus spielt, dann können
sich die Leute hier die Rübe vollrauchen und sind trotzdem blöd und
entfremdet. Ich habe Leute kennen gelernt, die rauchen Unmengen
Cannabis, natürlich mit Tabak, obwohl der eine entgegengesetzte Wirkung
hat und sind trotzdem so schlecht drauf wie vorher. Vielleicht hören sie
die Musik, die sie gerne haben, ein wenig besser.
Die Natur ist göttlich und vollkommen in Ordnung. In der Einfachheit und
dem Leben mit der Natur sind wir am besten dran. Das ist alte
daoistische Weisheit und das ist auch die Weisheit, welche die
Naturvölker leben."
Interview (stark gekürzt) erschienen im HanfBlatt, August 2002
Die Vielfalt zurückgewinnen mit dem Grundeinkommen!
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